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Märkische Allgemeine Zeitung vom 15.11.2010 (Westhavelländer)



Jugendliche "Rinderflüsterer"


Strodehner Künstler interpretierten dörfliche Zusammenhänge neu
Von UWE HOFFMANN



STRODEHNE „Dörfliche Zusammenhänge neu interpretiert“. Dies hatten sich die „Werkrfreunde“ aus Strodehne im Rahmen der auch vom Bund geförderten Initiative „Stärken vor Ort“ als Ziel gesetzt. Rinder sind soziale Herdentiere. Sie haben – genau wie wir Menschen – eine Individualzone. Wird diese Zone um ein Individuum durch andere verletzt, fühlt sich die Kuh oder der Mensch gestört.
Aus diesem Konflikt können Aggressionen entstehen. Um diese gar nicht erst zuzulassen oder abzubauen, ist Kommunikation nötig. Kommunikation passiert auch ohne Worte mit Mimik oder Gestik. Die „Werkfreunde“ Gabriele Konsor und Roland Eckelt aus Strodehne haben acht Jugendliche im Alter von neun bis 18 Jahren eingeladen, sich einem Experiment zu stellen. In Auseinandersetzung mit Rindern in einer Herde sollten sie etwas über nonverbale Kommunikation lernen – über die Tiere und sich selbst. Auf der Bio-Ranch in Zempow (bei Wittstock/Dosse) hält Wilhelm Schäkel 700 Angus-Rinder.
Als besonderes Angebot bietet er Erlebnisseminare in „Rinderflüstern“ an. Dahinter verbirgt sich die „Low-Stress- Stockmanship“-Methode aus Kanada. Das heißt, die Tiere werden ohne Gewalt und stressfrei „bewegt“. Die Teilnehmer lernen dabei mit den Kühen zu kommunizieren.
Man achtet auf die Signale der Kuh und beobachtet wie die eigene Bewegung und Gestik auf das Tier wirkt. Projektleiter Roland Eckelt stellte für das Wochenendseminar in Zempow unter anderem zwei Fragen: Inwieweit ähnelt die Kommunikation zwischen Mensch und Tier der zwischenmenschlichen Kommunikation) Und: „Können die dabei gesammelten Erfahrungen dazu beitragen, eigene Verhaltensmuster zu hinterfragen?“
Zur Abschlussveranstaltung am Freitag in Strodehne präsentierten die jugendlichen Teilnehmer selbst die Ergebnisse des Workshops und schilderten ihre Erfahrungen. Zu ihren eigenen Fotos erklärten sie den Seminarverlauf, bei dessen Zeitplanung die fünf Jungen und drei Mädchen selbst auch Mitspracherecht hatten. „Mich hat überrascht, dass auf der Ranch alles sehr still vor sich ging“, erzählte der 14-jährige Josef Schwuchow. „Hier in Strodehne läuft alles lauter ab.“ Mit kleinen Kälbern haben die Jugendlichen angefangen, eine Beziehung aufzubauen und sich in der Kommunikation mit den Rindern zu schulen.
Projektkoordinatorin Ulrike Schwuchow aus Strodehne hatte die Jugendlichen aus ihrem Ort und aus Kietz angesprochen und für dieses Projekt ausgewählt. Der Workshop, an dem sie im August teilnahmen, war ein Bildungangebot, bei dem Erziehung nicht vordergründig herausgestellt wird. Die Jugendlichen schliefen in der Heuscheune, es gab einen Waldspielpaltz, und wer schon ans Pedal reicht, durfte mit dem Trecker fahren. Und zur Belustigung aller wurde Trecker-Surfen ausprobiert: Man steht oder sitzt auf Gummimatten, die am fahrenden Trecker angebunden sind. „Ich fand's lustig!“, war dann auch das Fazit von Lukas Schwuchow. „Ich habe gelernt, dass wir im Umgang untereinander oft die individuelle, private 'Wohlfühlzone' unserer Mitmenschen verletzen“, schilderte Kaja Wiglipp, „vielleicht sind deshalb auch viele Menschen so aggressiv in ihrem Verhalten.“
Im Fernsehen laufen die unterschiedlichsten Doku-Soaps, in denen schwer erziehbaren oder gestrandeten Jugendlichen in Camps in der US-amerikanischen Wüste oder sonstwo „auf den rechten Weg geholfen“ wird. Damit hatte das Projekt nichts zu tun. Die Mädchen und Jungs waren „ganz normale“ Jugendliche.
„Ich finde den Aspekt gut, dass heute gerade auch der Jugend auf dem Dorf wieder der Umgang mit Tieren näher gebracht wird“, sagte der Strodehner Wolfgang Schwuchow, Bürgermeister der Gemeinde Havelaue.
„Kommunikation braucht einen ständigen Perspektivwechsel“, erklärte Roland Eckelt, der Vereinsvorsitzender der Werkfreunde Strodehne, der sich seit langem mit Kommunikation beschäftigt und dieses Projekt mit initiierte.

letzte Änderungen: 15.12.2010