Pressestimmen

Jugendliche "Rinderflüsterer"
Strodehner Künstler interpretierten dörfliche Zusammenhänge neu
MAZ schrieb am 15. November 2010

Märkische Allgemeine, Westhavelländer

Von UWE HOFFMANN

STRODEHNE “Dörfliche Zusammenhänge neu interpretiert”. Dies hatten sich die “Werkrfreunde” aus Strodehne im Rahmen der auch vom Bund geförderten Initiative “Stärken vor Ort” als Ziel gesetzt. Rinder sind soziale Herdentiere. Sie haben „genau wie wir Menschen“ eine Individualzone. Wird diese Zone um ein Individuum durch andere verletzt, fühlt sich die Kuh oder der Mensch gestört.

Aus diesem Konflikt können Aggressionen entstehen. Um diese gar nicht erst zuzulassen oder abzubauen, ist Kommunikation nötig. Kommunikation passiert auch ohne Worte mit Mimik oder Gestik. Die “Werkfreunde” Gabriele Konsor und Roland Eckelt aus Strodehne haben acht Jugendliche im Alter von neun bis 18 Jahren eingeladen, sich einem Experiment zu stellen. In Auseinandersetzung mit Rindern in einer Herde sollten sie etwas über nonverbale Kommunikation lernen - über die Tiere und sich selbst. Auf der Bio-Ranch in Zempow (bei Wittstock/Dosse) hält Wilhelm Schäkel 700 Angus-Rinder.

Als besonderes Angebot bietet er Erlebnisseminare in “Rinderflüstern” an. Dahinter verbirgt sich die “Low-Stress- Stockmanship”-Methode aus Kanada. Das heißt, die Tiere werden ohne Gewalt und stressfrei “bewegt”. Die Teilnehmer lernen dabei mit den Kühen zu kommunizieren.

Man achtet auf die Signale der Kuh und beobachtet wie die eigene Bewegung und Gestik auf das Tier wirkt. Projektleiter Roland Eckelt stellte für das Wochenendseminar in Zempow unter anderem zwei Fragen: Inwieweit ähnelt die Kommunikation zwischen Mensch und Tier der zwischenmenschlichen Kommunikation? Und: “Können die dabei gesammelten Erfahrungen dazu beitragen, eigene Verhaltensmuster zu hinterfragen?”

Zur Abschlussveranstaltung am Freitag in Strodehne präsentierten die jugendlichen Teilnehmer selbst die Ergebnisse des Workshops und schilderten ihre Erfahrungen. Zu ihren eigenen Fotos erklärten sie den Seminarverlauf, bei dessen Zeitplanung die fünf Jungen und drei Mädchen selbst auch Mitspracherecht hatten. “Mich hat überrascht, dass auf der Ranch alles sehr still vor sich ging”, erzählte der 14-jÄhrige Josef Schwuchow. “Hier in Strodehne läuft alles lauter ab.” Mit kleinen Kälbern haben die Jugendlichen angefangen, eine Beziehung aufzubauen und sich in der Kommunikation mit den Rindern zu schulen.

Projektkoordinatorin Ulrike Schwuchow aus Strodehne hatte die Jugendlichen aus ihrem Ort und aus Kietz angesprochen und für dieses Projekt ausgewählt. Der Workshop, an dem sie im August teilnahmen, war ein Bildungangebot, bei dem Erziehung nicht vordergründig herausgestellt wird. Die Jugendlichen schliefen in der Heuscheune, es gab einen Waldspielpaltz, und wer schon ans Pedal reicht, durfte mit dem Trecker fahren. Und zur Belustigung aller wurde Trecker-Surfen ausprobiert: Man steht oder sitzt auf Gummimatten, die am fahrenden Trecker angebunden sind. “Ich fand's lustig!”, war dann auch das Fazit von Lukas Schwuchow. “Ich habe gelernt, dass wir im Umgang untereinander oft die individuelle, private 'Wohlfühlzone' unserer Mitmenschen verletzen”, schilderte Kaja Wiglipp, “vielleicht sind deshalb auch viele Menschen so aggressiv in ihrem Verhalten.”

Im Fernsehen laufen die unterschiedlichsten Doku-Soaps, in denen schwer erziehbaren oder gestrandeten Jugendlichen in Camps in der US-amerikanischen Wüste oder sonstwo “auf den rechten Weg geholfen” wird. Damit hatte das Projekt nichts zu tun. Die Mädchen und Jungs waren “ganz normale” Jugendliche.

“Ich finde den Aspekt gut, dass heute gerade auch der Jugend auf dem Dorf wieder der Umgang mit Tieren näher gebracht wird”, sagte der Strodehner Wolfgang Schwuchow, Bürgermeister der Gemeinde Havelaue.

“Kommunikation braucht einen ständigen Perspektivwechsel”, erklärte Roland Eckelt, der Vereinsvorsitzender der Werkfreunde Strodehne, der sich seit langem mit Kommunikation beschäftigt und dieses Projekt mit initiierte.

 

Das perfekte Rezept
Kulinarischer und filmischer Erlebnisabend mit Schlosskoch und Fischer in Strodehne
MAZ schrieb am 1. September 2010

Märkische Allgemeine

Von CATERINA RÖNNERT

STRODEHNE - Man nehme einen Fischer, einen Schlosskoch, zwei ambitionierte Künstler sowie eine Prise gutes Wetter. Was dabei herauskommt, konnte man am Freitagabend in Strodehne schmecken, erleben und genießen. Nur die Prise gutes Wetter war als Zutat nicht verfügbar, was dem Gelingen dieses Rezepts jedoch keinen Abbruch tat.

Mit großen Sprüngen hüpften die sommerlich gekleideten Gäste durch den Regen ins große Zelt, das vor dem Haus des Strodehner Fischers Wolfgang Schröder aufgebaut war. Kaum waren die Schirme zugeklappt, gab es einen Korn zum Aufwärmen und Birnenschmalz-Stullen als kleinen Appetitmacher auf das, was die Gäste an diesem Abend erwarten sollte: Kunst und Kulinarisches. Für das Kulinarische haben zwei Meister ihres Fachs zusammen am Kochtopf gestanden: der Strodehner Fischer Wolfgang Schröder und der Restaurantleiter des Schloss Ribbeck, Thore Redepenning. Beide schwangen zum ersten Mal gemeinsam den Kochlöffel.

Wie sie zusammen agierten, konnten die zirka 75 Gäste live miterleben. Mit einem Heber in der Hand brieten sie Fisch und standen den hungrigen Gästen Rede und Antwort. Während Thore Redepenning die interessierten Feinschmecker Über Kräuter wie Wasserpfeffer aufklärte, die er auf dem Weg von Ribbeck nach Strodehne noch schnell am Wegesrand eingesammelt hatte, pries Fischer Schröder voller Leidenschaft seine entgräteten Brassen an, von denen eine exemplarisch neben dem Hecht in ganzer Statur zu bestaunen war. Den schlechten Ruf der Brasse kann Fischer Schröder nicht nachvollziehen. Für ihn besitzt die zum Weißfisch zählende Brasse Feinschmeckerpotenzial. Er zeigte den Gästen, wie schmackhaft sie sein kann, wenn sie erst einmal durch seinen Grätenschneider gezogen, gesalzen und gepfeffert, in Ei und Paniermehl gewendet und dann gebraten wird.

Thore Redepenning, der Fischer Schröders gefangenen Weißfisch in seinem Schlossrestaurant anbietet, pflichtete ihm bei. “Die Gäste im Restaurant verlangen oft ein typisch regionales Gericht und die Brasse geht weg, als würde es morgen nichts mehr zu essen geben”, lachte er.

Immer mittendrin sprang die Künstlerin Gabriele Konsor vom Atelier Havelblick hin und her, um mit dem Mikrofon die Stimmen der Köche und Gäste einzufangen. Sie war gemeinsam mit Roland Eckelt für die Kunst an diesem Abend zuständig. So wurden nicht nur die Gaumen verwöhnt, sondern auch die Sinne. Während des Essens projizierten sie kleine selbstproduzierte Filmkunstwerke an die Leinwand, die auch das Essen und Trinken in den Mittelpunkt stellten.

So setzten sie die heutigen Einwohner aus Strodehne und Umgebung in einen amüsanten Dialog mit Spielfilm- und Amateuraufnahmen aus DDR-Zeiten. Gefühl für Rhythmus bewies das Künstlerduo nicht nur in seinen gut geschnittenen Filmwerken, sondern auch im Ablauf des Abends, der sehr kurzweilig erschien. So sahen sich alle Gäste bei Mousse au Chocolat, Heidelbeercreme und Weintraubenmascarpone, von Fischer Schröders Frau kreiert, den Schwarzweiß-Spielfilm “Karbid und Sauerampfer” von 1963 an, der zu Teilen im Havelland spielt und die Formen ländlicher Ernährung zur Nachkriegszeit thematisiert. Und das mit dem wunderbaren, herrlich humorvollen Schauspieler Erwin Geschonnek. Die Gäste amüsierten sich köstlich und verfolgten den Film mit großem Interesse. Das freute vor allem die Macher des Abends, die sich während des Films in den blau-weiß gefliesten Verkaufsraum von Fischer Schröder zurück gezogen hatten und bei einem Kaffee den Abend auswerteten. Sogar aus Hamburg und Potsdam seien Gäste dabei gewesen, freute sich Gabriele Konsor. Für sie war es der schönste Regentag in diesem Sommer. Auch Schlosskoch Thore Redepenning schien zufrieden. Er mag den Kontakt zum Publikum: “Das ist authentisch, und ich kann dem interessierten Gast alles erklären.”

Fischer Schröder hatte ebenfalls ein glückliches Lächeln auf den Lippen. Er habe an diesem Abend vom Schlosskoch gelernt, wie man die Portionen für so viele Gäste vorplant. Thore Redepenning habe hingegen vom Fischer gelernt, beim Kochen einfach mal nicht miteinander zu reden. Beide lachen. Ein Fischer ist bei seiner Arbeit eben allein, ein Schlosskoch nicht. So haben beide ein wunderbares Menü zubereitet: ohne große Worte, aber mit viel Leidenschaft.

 

 

Der Gahlberg ruft: Livemusik zu bewegten Bildern
Solisten des Babelsberger Filmorchesters treten in Strodehne auf
MAZ schrieb am 11. August 2010

Märkische Allgemeine

Von MARKUS KNIEBELER

STRODEHNE - “Brandenburger Bilderbogen - eine filmmusikalische Wanderung” so lautet, schön altmodisch, der Titel der Veranstaltung, die am 28. August auf dem Gahlberg -Grundstück von Fischer Wolfgang Schröder stattfinden wird. Gezeigt wird ein knapp halbstündiger Film über das Land Brandenburg, in dem sehr stimmungsvoll die landschaftlichen und architektonischen Reize der Mark präsentiert werden. Musikalisch kommentiert wird der für die ARD-Serie “Bilderbuch Deutschland” produzierte Streifen von Profis: Das Solistenensemble des Deutschen Filmorchesters Babelsberg lässt die Instrumente erklingen. Und zwar nach einer Partitur, die der Komponist Bernd Wefelmeyer schnittgenau auf die bewegten Bilder abgestimmt hat.

Kurzum - ein Ereignis steht bevor. Und das Schönste ist: Es kostet nichts. Aus Anlass des 20. Geburtstages des Landes Brandenburg hat die brandenburgische Staatskanzlei das multimediale Geburtstagsfest organisiert und die Menschen im Land eingeladen, mitzufeiern. An zehn brandenburgischen Orten wird der Brandenburger Bilderbogen aufgeführt. In Belzig fand Anfang Juli die Premiere statt. Nach Strodehne stehen Orte wie Buckow, Templin und Eberswalde auf dem Spielplan.

“Wir haben uns bewusst für Kulturorte im Ländlichen entschieden”, sagt Thomas Braune, Sprecher der Staatskanzlei. So wolle man den Fokus auf die vielen Initiativen lenken, die sich fernab der Landeshauptstadt um kulturelle Angebote bemÜhen. In Strodehne habe sich der Verein Werkfreunde Strodehne um Gabriele Konsor und Roland Eckelt in dieser Hinsicht sehr verdient gemacht. Der Auftritt des Filmorchesters sei als Würdigung dieses Schaffens und als Geschenk für die Bürger der Region gedacht.

Und weil das Land der Veranstaltung offenbar einen hohen Stellenwert beimisst, schickt es auch seine höchsten Vertreter in die Fläche. In Strodehne wird Jörg Vogelsänger, Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft, vor der Filmvorführung eine Festrede halten. Nach dem Kulturgenuss gibt es die Möglichkeit, das Gesehene gleich zu verarbeiten - bei einem Glas Sekt mit den Musikern, den Landesvertretern und den anderen Gästen.

Das Film-Live-Konzert auf dem Strodehner Gahlberg am 28. August beginnt um 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten beim Atelier Havelblick, 03 38 75/3 16 36, mailbox@atelierhavelblick.de.

 

 

 

Kino zum Fühlen und Schmecken
Erfolgreicher Start der Veranstaltungsreihe Erlebniskino
BRAWO schrieb am 9. Juni 2007

BRAWO

Von CHRISTIN SCHMIDT

Was kommt heraus, wenn man Dorfidylle, Kinofilm und Mitmachaktion in einen Topf wirft? Erlebniskino. Und wem Kino bisher zu eintönig war, für den ist die Veranstaltungsreihe Erlebniskino, die vom Amateurfilmarchiv HAVELLAND PRIVAT ins Leben gerufen wurde, eine willkommene Abwechslung. Letzte Woche fand am Samstagabend in Strodehne die erste Veranstaltung unter dem Motto “Alles aus Fisch“ statt. Fischer Wolfgang Schröder und die Organisatoren des Programms Gabriele Konsor, Olaf Jung, Roland Eckelt und Heike Wieglipp vom Verein WerkFreunde Strodehne e.V. hatten zum kulinarischen Filmabend eingeladen. Hier gab es nicht nur etwas für die Augen und die Ohren, auch der Geschmackssinn der Gäste wurde bedient. In romantischem Ambiente, zwischen Fischreusen und Angelkähnen und inmitten des Naturschutzgebietes “Gülper See“, wurden die Besucher auf unterschiedlichste Weise an das Thema Fisch herangeführt. Dazu gewährte Wolfgang Schröder einen Einblick in seine Fischerei, in der er einen zu Beginn der Veranstaltung noch lebendigen Hecht in einen leckeren Gemüse-Fisch-Auflauf verwandelte.

Die Ereignisse wurden von Roland Eckelt mit der Kamera gefilmt und für die Gäste auf eine Leinwand projiziert, so dass man bei Fischsuppe, Bier und Wein live verfolgen konnte, wie Fischer Schröder den Hecht tötete, ausnahm und verarbeitete. Mutige Gäste konnten sogar selbst Hand anlegen und sich vom Profi erklären lassen, wie die Schuppen entfernt werden oder wie man die Kiemen heraus nimmt. Bei der anschließenden Verkostung überzeugten sich die Besucher von den Kochkünsten des Fischers.

Im Anschluss an die kulinarischen Gaumenfreuden versammelten sich die Gäste vor der Leinwand, um den Film “Der Aal” (1997) des japanischen Regisseurs Shohei Imamura zu verfolgen. Dabei ging es nicht um den Fisch als Lebensmittel, sondern als Gefährten des Menschen: In dem Spielfilm leistet ein Fisch einem Mann Gesellschaft, der aus Eifersucht seine Frau umgebracht hatte. Das Liebesdrama gewann 1997 die “Goldene Palme“ in Cannes, und auch das Strodehner Publikum nahm das Werk an, wenn gleich einige Szenen dem einen oder anderen weiblichen Gast etwas zu weit gingen.

Mit dem Ergebnis der Auftaktveranstaltung ist Gabriele Konsor sehr zufrieden: “Die Resonanz der Gäste war durchweg positiv und auch von den Besucherzahlen sind wir sehr zufrieden.” Die Mischung des Publikums aus Jung und Alt, Einheimischen und Gästen zeigte, dass die Veranstaltung nicht nur eingefleischte Filmfans angesprochen hat. Eine Umfrage unter den Gästen ergab, dass das Konzept sehr gut ankam.

Am 27. Juli findet das nächste Erlebniskino in Strodehne statt. Dann lädt das Amateurfilmarchiv zur “Havelstrand Karaoke” auf die Festwiese des Havelfestes ein. Nähere Informationen sowie alle weiteren Veranstaltungen können auch im Internet unter www.havelland-privat.de abgerufen werden.

 

 

 

 

Film und Fisch gemischt
Erlebniskino in Strodehne
MAZ schrieb am 5. Juni 2007

Märkische Allgemeine, Der Havelländer

Von DIRK GUDERJAN

STRODEHNE Das kleine Haveldorf Strodehne und die Welt des großen Kinos: zwei Dinge, die auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun haben. Aber nur auf den ersten Blick. Denn wer am Samstagabend beim Strodehner Fischer Wolfgang Schröder auf dem Gahlberg war, konnte beides erleben.

Die vom Verein "WerkFreunde Strodehne e.V." ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe des Amateurfilmarchivs Havelland privat verband das Flair eines kleinen Dorfes mit einem preisgekrönten Film. "Wir wollen mit diesem Erlebniskino eine Verbindung schaffen zwischen besonderen Kinofilmen und gegebenen Örtlichkeiten", erklärte Gabriele Konsor, Vorstandsmitglied vom Verein WerkFreunde Strodehne e.V., "die Leute sollen bei uns etwas Besonderes erleben und nicht nur passiv konsumieren." So war der Film "Der Aal" des japanischen Regisseurs Shohei Imamura, 1997 in Cannes mit der "Goldenen Palme" ausgezeichnet, nur ein Programmpunkt bei dieser Veranstaltung.

Gemäß dem Titel des Abends "Alles aus Fisch" drehte sich bereits vor der Filmvorführung alles um diese Spezies aus dem Wasser. Fischer Schröder führte den Besuchern vor, wie Fische fachgerecht filetiert werden. Dass dazu nicht nur ein gewisses Maß an Geschicklichkeit, sondern auch ein sehr scharfes Messer erforderlich ist, hob er dabei besonders hervor. Die frischen Filets wurden sogleich in die Küche gebracht, aus der kurz darauf ein Wohlgeruch in die Nasen der Gäste drang. Vor den Augen der Besucher bereitete er einen Gemüse-Fischauflauf zu und wurde dabei von Roland Eckelt gefilmt. Die Bilder aus der Küche wurden live in die gleich nebenan liegende Garage übertragen, wo die Zubereitung auf einer Leinwand zu sehen war.

Während der Fischauflauf noch in der Röhre schmorte, wurde auf dem Hof bei den Fischbuletten und der Fischsuppe seitens der Besucher kräftig zugelangt. "Das Programm mit dem Fischer haben wir gemacht, weil wir das als sehr attraktiven Ort sehen", begründete Gabriele Konsor die Wahl des Veranstaltungsortes. Inmitten des Naturschutzgebietes Gülper See, zwischen Fischereiutensilien und dampfender Fischsuppe aus dem Kessel sahen das die Besucher genauso.

Gefördert wird das Projekt durch Mittel der EU und das Initiativbüro des Märkischen Sozialvereins, dessen Leiterin Claudia Traut am Samstag ebenfalls anwesend war. "Das Dorf Strodehne gibt viel her für unser Projekt", so Gabriele Konsor, "wir wollen uns erst einmal auf diesen Ort konzentrieren und dabei die Leute mit einbeziehen." Die Termine für die nächsten Veranstaltungen des Vereins Werk-Freunde e.V. in Strodehne stehen schon fest: Am 27. Juli gibt es das "Havelstrand-Karaoke", am 3. November ein "Pferdegeflüster" und am 15. Dezember den "Tanz-Tee-Tango".

 

 

Alltag auf 16 Millimeter gebannt
Amateurstreifen aus dem LPG-Dasein in Ribbeck gezeigt
MAZ schrieb am 13. Juni 2006

Märkische Allgemeine, Der Havelländer

Von MARLIES SCHNAIBEL

RIBBECK. "Sollen wir noch einen weiteren Arbeitsschutzfilm zeigen?" Ein begeistertes Jaaa erschallt aus dem Museumsraum der Alten Schule in Ribbeck. Eine sicher ungewöhnliche Euphorie, zumal an einem Sonntagnachmittag. Aber die Gruppe aus kleinen und großen Zuschauern hatte soeben einen alten DDR-Arbeitsschutzfilm gesehen, leider hatte die neue Technik ihnen die Pointe des Streifens "Ernst ernst" vorenthalten. Also wurde als Entschädigung "Ja, Meister" angeboten.

Eine fürwahr ungewöhnliche Vorführung, zu der sich Filmemacher und eine überschaubare Zahl von Zuschauern zusammen gefunden hatte. Das Amateurfilmarchiv "Havelland privat" hatte dazu eingeladen, zu sehen waren Filme aus den 70er und 80er Jahren. Gedreht vom Amateurfilmer Emil Jurkowski in der LPG Linum. Der einstige Traktorist war am Sonntag selbst nach Ribbeck gekommen und konnte sich überzeugen, wie seine Filme heute ihr Publikum erreichen.

"Ernst ernst" war der Arbeitsschutzfilm von 1983, der in 16 Minuten die Geschichte des schlampigen Traktoristen Ernst erzählt. So manchen Preis hatte der Amateurfilmer Jurkowski seinerzeit für den mit leichter Hand, wenn auch mit absehbarer Moral erzählten Film bekommen. Gedreht wurde in Linum und Umgebung, mit Leuten aus Linum und Umgebung.

Insgesamt sechs Filme Jurkowskis wurden am Sonntag gezeigt. Die meisten davon waren satirisch angelegt. Wie "Danksagung", ein vier-Minuten-Streifen Über Schlaglöcher der Straße nach Nauen. Fast ein bisschen zynisch mutete der Streifen an, in dem eine 75-jährige Rentnerin davon träumt, statt ihres desolaten Plumpsklos endlich ein richtiges Bad mit WC zu bekommen - am Ende langt es nur zu einem neuen Donnerbalken, aber selbst der wird noch mit viel Tamtam übergeben. In dem Streifen "Beleidigung" landen zwei Leute vor der Schiedskommission, weil sich einer vom anderen beleidigt fühlte, hatte er "Esel" und "Armleuchter" noch ertragen, bei "Bauer" platzte ihm jedoch der Kragen.

Gaben die ironischen Streifen vor allem Anlass zum Schmunzeln, so zeichnete sich der Film "60 Minuten nach 12" durch seinen dokumentarischen Wert aus. Jurkowski hatte hier die Stunde eines Tages zwischen 12 und 13 Uhr in seinem Dorf fest gehalten, kein gewöhnlicher Tag, sondern einer im strengen Winter 1979. Die Schneemassen türmen sich bis zum Ortsschild auf, die LPG-Traktoren sorgen mit Schneepflügen für freie Straßen, in der Krippe gehen die Kinder auf den Topf und dann ins Bett, in der LPG-Küche kochen die Frauen Senfeier, im Dorfkonsum stehen Frauen mit Kopftüchern an, die Männer rauchen, der Dispatcher telefoniert, der Schuhmacher besohlt ein Paar Arbeitsschuhe - immer wieder pflügt sich schwere Technik durch den Schnee, immer wieder hat Jurkowski verschiedene Uhren ins Bild eingebaut.

Er selbst war Traktorist in der LPG, ehe aus dem begeisterten Hobbyfotografen ein angesehener Amateurfilmer wurde. Die LPG hatte ein komplett ausgestattetes Studio, hier hat Jurkowski bis zur Wende gearbeitet. Dann war Schluss. Immerhin, die Filme hat er gerettet. Einige werden in Leipzig im Staatsarchiv gehegt, andere im Amateurfilmarchiv "Havelland privat". Das wird seit drei Jahren von Gabriele Konsor und Roland Eckelt im havelländischen Strodehne aufgebaut. "Unser ältester Film stammt von 1935, der jüngste von 2004", erzählt Gabriele Konsor. Weitere Amateurstreifen aus dem Alltag vergangener Jahre sind immer gesucht. "Das müssen längst nicht so kleine Meisterwerke sein wie die Streifen von Emil Jurkowski", ermuntert sie die MAZ-Leser, in ihren Archiven zu stöbern. Bei den Streifen geht es nämlich weniger um filmische Qualität als vielmehr um die festgehaltene Vergangenheit, diese kleinen Filme sind eine besondere Form der Geschichtsschreibung. Sie haben den Alltag auf 16 Millimeter gebannt. Ganz privat. Aber doch interessant für die Nachwelt.

Mit FDGB und VdgB

FDGB, VdgB, Bezirkskabinett für Kulturarbeit, Schiedskommission - für manchen DDR-Begriff brauchten die Zuschauer einen Dolmetscher, wenn sie mit westdeutschem Erfahrungshintergrund in die Ribbecker Flimmerstunde kamen. Neugierig und aufgeschlossen stellten sie ihre Fragen an den Filmemacher Emil Jurkowski aus Linum, aber auch an Siegfried Böttcher, den letzten LPG-Vorsitzenden aus Ribbeck: Konnten Sie diese kritischen Filme auch zeigen? Gab’s im Dorfkonsum die Waren aus der LPG zu kaufen? Hatten Sie wirklich schon Computer?
Die Zuschauer aus dem Osten nutzten die Filme vor allem zu einer geistigen Zeitreise in die Vergangenheit, erzählten Episoden aus Lehre und Arbeit, berichteten von guten und miesen Genossenschaften, vom Kräfteverhältnissen zwischen Staatsmacht (Bürgermeister, hatte keine Baubrigade) und Bauernführer (LPG-Vorsitzender, hatte eine Baubrigade).
Die Diskussion hatte ihre analytischen Momente („Das Schlimmste war die Trennung in LPG Tierproduktion und LPG Pflanzenproduktion Anfang der 70er Jahre“), ihre pathetischen Sätze („Mit besserer Technik wären wir unschlagbar gewesen in der Landwirtschaft“) und ihre wehmütigen Klänge (“Früher war der Zusammenhalt im Dorf enger”).
Und es wurde auch gern gefeiert. Zum Beispiel am Tag des Genossenschaftsbauern und Arbeiter der sozialistischen Land- und Forstwirtschaft. Den gab’s – jedes Jahr am 15. Juni.

Ordnungshüter im Reich der Bilder
In Strodehne wird das Amateurfilmarchiv "Havelland privat" aufgebaut
MAZ schrieb am 10. Juni 2006

Märkische Allgemeine, Westhavelländer

Von MARKUS KNIEBELER

STRODEHNE Vor vier Jahren infizierten sie sich. Rasch kam die Krankheit zum Ausbruch und ein Abflauen der Symptome ist noch nicht in Sicht. Wobei Krankheit die Sache nicht recht trifft. Leidenschaft wäre der treffendere Begriff. Denn das Interesse am Amateurfilm, das die beiden Strodehner Künstler Gabriele Konsor und Roland Eckelt vor vier Jahren entdeckten, hat sich tatsächlich zu einer Leidenschaft entwickelt.

Jüngstes Ergebnis dieser Leidenschaft ist das Amateurfilmarchiv "Havelland privat". Seit dem vergangenen Jahr arbeitet ein Verein, die Werkfreunde Strodehne, daran, den Bestand an Amateurfilmen aus der Region systematisch zu erfassen. Etwa 130 Filme haben sich in den besagten vier Jahren angesammelt. Die müssen gesichtet, katalogisiert und in einer Computerdatenbank erfasst werden. Das über Leader plus geförderte Projekt ist in vollem Gange.

Doch zurück zu jenem Tag im Mai 2002. Damals fand im Atelier Havelblick das 1. Strodehner Amateurfilmfestival statt. 23 Filme aus allen Lebensbereichen hatten die beiden Künstler nach diversen Aufrufen zusammenbekommen. Vom dreiminütigen Urlaubsfilm bis zur halbstündigen Doku aus der Arbeitswelt - das Spektrum war so bunt und vielfältig wie das Leben.

In den Folgejahren bauten Konsor und Eckelt die Beschäftigung mit dem Film aus. Höhepunkt dieser Bemühungen waren im vergangenen Herbst die 1. Filmtage Havelland, ein dreitägiges Amateurfilmfestival im Rathenower Kulturzentrum, das landesweite Anerkennung fand. Sollte es, wie geplant, im kommenden Jahr eine Neuauflage der Filmtage geben, wird das Amateurfilmarchiv "Havelland privat" natürlich der Quell sein, der die Projektoren speist.

Darüber hinaus soll das Archiv ein Ort der Begegnung und der Diskussion werden. Denn Interessierte können hier nicht nur nach Laien-Streifen forschen, ihnen stehen in allen Fragen der Filmerei die Mitarbeiter mit Rat und Tat zur Seite. Gegen ein Entgelt werden auch Serviceleistungen, etwa die Digitalisierung von 8-mm-Filmen, angeboten. Außerdem bieten die Archivmacher zu ausgesuchten Themen Sondervorführungen an. In der Alten Schule Ribbeck etwa werden morgen (13 und 15 Uhr) alte Filme des einstigen Traktoristen Emil Jurkowski gezeigt.

Kontakt zum Archiv im Internet unter: www.havelland-privat.de. Telefonisch ist das Archiv erreichbar unter Tel.033875/31636.